6 Monate ohne Gluten / Weizen – wie war’s?

Seit etwas mehr als einem halben Jahr ernähre ich mich ohne Getreideprodukte (und die anderen Allergene) und fühle mich gut dabei. Hier und da passieren mir noch Diätfehler, welche sich in Hautausschlag oder Pusteln bemerkbar machen, aber en gros fühle ich mich auch dank des Sports viel besser. In den ersten Wochen habe ich etwas abgenommen, was sich aber nur durch unregelmäßige Nahrungsaufnahme erklären lässt. Mein Körper musste wieder Luft holen, da die ganzen Beeinträchtigungen nicht so schnell verschwinden und man muss sich natürlich durch die ganzen Infos arbeiten. Zwischendurch habe ich sogar mal ein kleines Stückchen von einem Croissant probiert, was aber nicht so gut war. Zwei bis drei Stunden später habe ich sehr schön gemerkt, dass ich es besser sein lasse.

Aber nach dieser Zeit kann ich jedem Betroffenen schon mal ein paar Tipps geben, damit ihr es einfacher habt als ich:

  1. Egal ob Zöliakie, Sprue oder Getreideallergie: meldet euch bei der Deutschen Zöliakie Gesellschaft (www.dzg-online.de) an und ihr erhaltet ein Info-Paket (groß + schwer) mit einem Rezept-Buch für Brote und Süßes und anderen tollen Hilfen wie Bücher zu Medikamenten ohne Gluten oder Tipps für Online-Shops von speziellen Bäckereien.
  2. Hört nicht auf die Deppen, die meinen, dass die Fertigprodukte im Laden nicht schmecken. Für die ersten Wochen bis ihr herausgefunden habt, was euch schmeckt und wo ihr es kaufen / bestellen könnt, reichen diese Produkte. Vielleicht findet ihr sogar das ein oder andere Brot, was fertig verpackt sogar richtig lecker schmeckt und ihr für Reisen oder Ähnlichem mitnehmen könnt. Habt immer 1-2 fertig verpackte Brote zu Hause. Das gilt auch für glutenfreie Nudeln und Müsli. Kauft euch ruhig einen Toaster, so manches Brot schmeckt getoastet besser.
  3. Nehmt euch am besten ein paar Tage Urlaub und probiert ruhig Brot backen aus oder durchstöbert eure Supermärkte in der Nähe und das Internet.
  4. Meldet euch kostenlos bei Schär an, damit ihr gut schmeckende Brotrezepte aus erster Hand bekommt. Schaut euch bei Glutano online das Produktsortiment an, damit ihr im Supermarkt wisst, wonach ihr suchen müsst. Meistens sind die Produkte an einer Stelle im Laden oder immer bei der jeweiligen Abteilung. Glutenfreie Brötchen können dann zum Beispiel bei den normalen Brötchen einsortiert sein.
  5. Sucht im Supermarkt, Reformhaus oder Asia-Laden nach glutenfreier Soja-Sauce bzw. Ketjap Manis und Gemüsebrühe. Die Ernährungsumstellung bringt euch der asiatischen Küche näher. Habt keine Scheu, probiert einfach Gerichte aus und wenn’s nicht schmeckt kann es immer noch in den Mülleimer. Gemüse und Obst sind definitiv frei von Gluten ;)
  6. Sucht den nächsten dm-Drogeriemarkt in eurer Nähe, da hier nicht nur Produkte von Schär zu finden sind, auch viele Produkte von Alnatura sind glutenfrei (insb. Gemüsebrühe und Amaranth-Riegel).
  7. Macht euch nicht verrückt und bewahrt Ruhe. Informiert euch über eure Krankheit, damit ihr Familie, Freunde und Bekannte entsprechend beraten könnt, wenn für euch gekocht wird. Es gibt auch Selbsthilfegruppen in den großen Städten und sogar in ländlichen Gebieten.
  8. Wenn ihr mit anderen Personen essen geht, bereitet euch vor und erstellt einen Zettel mit den Lebensmitteln, die der Koch des Restaurants vermeiden soll (“Eine Bitte an den Koch…”). Ganz schlecht sind Fast Food-Ketten, wenn es aber nicht anders möglich ist, bestellt Salat mit Öl-Essig-Dressing oder Pommes Frites mit Ketchup (letzteres ist nur bei Allergien ratsam, welche nicht extrem ausschlagen bei kleinen Mengen).
  9. Nehmt es einfach hin, dass ihr jetzt länger und öfter in der Küche steht und kocht. Seht es positiv: Kochen macht Spaß und ihr wisst definitiv, was euer Essen beinhaltet. Entfernt Produkte aus eurer Küche, welche ihr nicht vertragt. Gedankenlosigkeit kann dazu führen, dass ihr die Produkte (Tütchensuppen und ähnlich Ekliges) trotzdem verwendet. Nehmt in den ersten Wochen die Geschwindigkeit aus eurem Leben und konzentriert euch auf euch selber.
  10. Durch was für einen Umstand auch immer ihr zu der glutenfreien Diät gekommen seid, lasst euch von eurem Hausarzt durch checken und eure Werte bei Vitaminen und Nährstoffen bestimmen. Nehmt dann entsprechende Nahrungsergänzungsmittel für einen gewissen Zeitraum ein.

Das sind nur einige, praktische Tipps von mir. Lasst euch von anderen nicht verunsichern und seid bereit Informationen zu suchen und als nützlich oder weniger nützlich bewerten zu können. Wenn es notwendig ist Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, dann kann es passieren, dass ihr auf die Nährstoffe mit Hautausschlag, Durchfall, Kopfschmerzen oder Ähnlichem reagiert. Das gleiche Phänomen ist bei mir aufgetreten und mein Heilpraktiker hat dann festgestellt, dass ich keine synthetisch hergestellten Vitamine / Nährstoffe vertrage. Das nennt man eine vielfache Chemikalienunverträglichkeit und tritt häufiger auf , wenn diese Faktoren vorliegen: weibliches Geschlecht, Allergien, Asthma. Siehe hierzu auch den Artikel bei Wikipedia: Vielfache Chemikalienunverträglichkeit. Das bedeutet für mich, wenn ich Vitamine brauche, dass ich diese extra bestellen und darauf achten muss, dass sie natürlichen Ursprungs sind. Für mich ist seitdem klar, weshalb ich bei Alkohol so schnell beschwipst bin ;)

Auch solltet ihr nicht depressiv oder zu nachdenklich werden, was für leckere Sachen ihr nicht mehr essen dürft. Seht es als einen Neustart bei dem es von nun an Berg auf geht und verändert eure Einstellung. Das ist schwer und ich habe selbst mit mir gekämpft, aber tretet euch in den Hintern und zerfließt nicht in Selbstmitleid. Eure Umgebung wird euch immer wieder entsetzt fragen, was ihr denn nun essen könnt, und dann vermittelt, dass es euch nichts ausmacht und ihr super zurecht kommt. Macht allen klar, dass es von jetzt an besser wird und Verzicht für Gesundheit nicht schlimm ist.

Sofern sich jemand wie ich (glutenfrei, nussfrei, vegan, ohne Erbsen) ernähren muss, besorgt euch entsprechende Literatur oder durchstöbert das Netz. Es wird die Frage auftauchen, ob sich durch eine solche Ernährung nicht Mängel ergeben und ihr müsst gewappnet sein. Die Industrie hat der Bevölkerung eingebleut, dass eine Ernährung ohne Milch, Fleisch und Eier ja total ungesund ist. Das Gegenteil ist der Fall und damit ihr besser argumentieren könnt und euch auch besser fühlt, nehmt die Standpunkte an. Vertretet sie, aber missioniert nicht.

So, im Moment fällt mir nicht mehr zu dem Thema ein und wer bis hier durchgehalten hat, dem wünsche ich noch einen schönen Ostermontag. Das Leben des Brian ist empfehlenswert ;)

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Ein Gedanke zu „6 Monate ohne Gluten / Weizen – wie war’s?

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